Historisches

Ronco sopra Ascona hat weit zurückreichende Ursprünge, die auf die Zeit zurückgehen, als das Hügelgebiet, auf dem sich die heutige Gemeinde befindet, von den Einwohnern Asconas abgeholzt und urbar gemacht wurde, um dort Weinberge und Olivenhaine anzulegen. Der Ausdruck „ronco“, der heute im gängigen Sprachgebrauch ein „terrassenförmiges Landgut“ oder einen „terrassenförmigen Hügel“ bezeichnet, stammt ursprünglich von dem lateinischen Verb runcare ab, das abholzen, urbar machen bedeutet.

 

Die erste Erwähnung Roncos als Roncho de Schona geht auf das Jahr 1264 zurück. Zu dieser Zeit hatte das mittelalterliche Dorf bereits in etwa die Grösse des heutigen antiken Ortskerns. Zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert zählte es ungefähr 500 Einwohner und auch wenn es politisch gesehen Teil von Ascona war, so scheint es doch, dass eine gewisse Autonomie herrschte und dass es dem Dorf gelang, sich demokratisch zu verwalten. Der Weg in die Unabhängigkeit begann anfangs 1626, dem Jahr, in dem Ronco die kirchliche Unabhängigkeit erhielt und endete 1641, als es auch zur politischen Autonomie gelang.

 

Die Geschichte dieses kleinen Dorfes wurde hauptsächlich durch seine typische Agrarwirtschaft geprägt und der jahreszeitlichen Transhumanz auf den Monti di Ronco. Der Weinbau spielte über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Rolle. Die Terrassen, die sich vom See bis hoch über das Dorf hinaus hinziehen und die zahlreichen Weinkeller zeugen noch heute davon. Auch die Auswanderung, die bereits im 14. Jahrhundert begann, war für Ronco ein bedeutender sozialer und wirtschaftlicher Faktor. Tatschlich gab es viele Einwohner Roncos, die sich in „Bruderschaften“ zusammentaten und ins Ausland gingen, um dort ihr Glück zu suchen, zuerst nach Italien und später, ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, auch nach Übersee. Unter ihnen befand sich auch der berühmte Maler aus Ronco Antonio Ciseri (1821-1891), der in Florenz studierte und wirkte . Dort sind von seinen Werken „Das Martyrium der Makabäer“ und „Ecce Homo“ zu sehen. Eine "Grablegung Christi" befindet sich in der Kirche Madonna del Sasso.

 

Mit der fortschreitenden Industrialisierung wurde die Landwirtschaft nach und nach aufgegeben und verschwand praktisch völlig  mit Beginn des Wirtschaftsaufschwung der zweiten Nachkriegszeit, der dem Dorf zu einem bemerkenswerten wirtschaftlichen Wachstum verhalf und zu einer gewissen sozialen Veränderung führte. Von da ab wurde in Ronco frenetisch gebaut, was zum Verschwinden der alten Weinberge und Olivenhaine beitrug. In wenigen Jahrzehnten verwandelte sich das kleine Bauerndorf in das Touristenzentrum von heute, das berühmt für die  Schönheit seines  Panoramas ist.